Literarisches Schatzkästlein

An dieser Stelle möchte ich gerne einige Texte teilen, die mich persönlich seit längerer Zeit begleiten und die ich immer wieder aufs Neue inspirierend finde.

Was mich bewegt

Man muss den Dingen
die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist ausgetragen –
und dann geboren…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst
dass dahinter kein Sommer kommen könnte.

Er kommt…!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit.

Man muss Geduld haben
gegen das Ungelöste im Herzen
und versuchen,
die Fragen selbst lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
(R.M.Rilke)


Du selbst

Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden, auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um Ihr selbst zu sein, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei…
(Hermann Hesse)


Unsere Angst

Unsere Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefe Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: Wer bin ich eigentlich,
dass ich leuchtend, hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf?
Wer bist du denn, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst,
damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen.
Wir wurden geboren,
um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns; sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.
(Marianne Williamson)


Nein ist ein heiliges Wort

Nein ist ein heiliges Wort,
das die Pforte zurück in die Unreife verschließt.
Nein ist ein Schlüssel zu dem, was sein kann,
wenn das Vorhersagbare und Geplante nicht mehr alles bestimmen.
Nein ist eine Tür in die Kreativität, die zugeschüttet war.
Nein ist wie der Baum, der seine Blätter verliert.
Nein ist ein blauer Himmel von einem Horizont bis zum anderen,
auf dem Wolken ihre Wunder vollbringen können.

Nein ist der Sprung in das Feuer,
aus dem die Wiedergeburt geschieht.
Nein ist die Zeit, die gefüllt werden will.
Nein ist wie die Schlange, die ihre Haut abstößt.
Nein ist ein Wort, um das Loslassen zu üben.
Nein ist eine Landkarte aus der Sklaverei.
Nein ist ein heiliges Wort, das am Ende des Anfangs steht.

Gibst du ihm einen Platz in deinem Sinn,
öffnet sich das große Tor zu deiner inneren Welt
und wie ein Strom fließt silbern und golden
das Leben in dich hinein.
(Quelle: Ulrich Schaffer, Nein – Wort der Befreiung, 2010, S. 5.)


Als ich mich selbst zu lieben begann

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich: Das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heut mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich: Das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem,
das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns und anderen zu fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN!
(Charlie Chaplin, 1959, an seinem 70. Geburtstag)